Digitaler Stromzähler mit optischem Lesekopf, ein limettengrüner Datenverlauf führt zum Gateway und zum Laptop
Leitfaden

Messkonzept für Solarstrom im Gebäude.

Welche Zähler es gibt, wie ein Messkonzept entsteht und welche Unterlagen der Netzbetreiber braucht. Ein Leitfaden für Eigentümer und Vermieter.

Was ist ein Messkonzept?

Ein Messkonzept beschreibt, wo im Gebäude welcher Zähler steht und wie aus den Zählerwerten Erzeugung, Eigenverbrauch, Netzbezug und Einspeisung berechnet werden. Es ist die Grundlage für die Abstimmung mit dem Netzbetreiber, für die Bilanzierung und für die Abrechnung der Mieter.

Ohne ein stimmiges Messkonzept lässt sich Solarstrom nicht sauber an Mieter verteilen: Es bleibt unklar, wer wie viel PV-Strom bekommen hat.

Die wichtigsten Zähler

ZählerAufgabe
Summenzähler (am Netzanschluss)Zweirichtungszähler: misst Strom aus dem Netz (Bezug) und Strom ins Netz (Einspeisung).
Erzeugungszähler (PV)Misst die gesamte Erzeugung der PV-Anlage.
MieterzählerMisst den Verbrauch je Mieter. Er ist die Basis für die Abrechnung.
Zähler für AllgemeinstromTrennt den Verbrauch der Gemeinschaftsflächen vom Mieterverbrauch.
Optional: Speicher, LadeinfrastrukturEigene Zähler, wenn diese Verbraucher oder Erzeuger getrennt erfasst werden sollen.

Bei größeren Strömen kommen Messwandler hinzu (Wandlermessung). Abrechnungsrelevante Zähler müssen eichrechtskonform sein.

Schema: Modell A und B

Die Zähler sind in beiden Modellen ähnlich, die Aufgaben unterscheiden sich. Z1 ist der Summenzähler am Netzanschluss, Z2 der Zähler der PV-Anlage.

Schema Modell A: Das öffentliche Netz führt über den Summenzähler Z1 in die Hausverteilung. Die PV-Anlage speist über den Zähler Z2 ein. Zwei Mieter beziehen PV-Strom und haben einen eigenen Lieferanten, ein dritter Mieter nimmt nicht teil.
Modell A (Solarstrom-Anteil): Netzstrom bleibt beim eigenen Lieferanten der Mieter, grün ist der PV-Strom.
Schema Modell B: Der Betreiber kauft Netzstrom über den Summenzähler Z1 ein und speist Überschuss über Z1 ins Netz ein. Die PV-Anlage ist über den Zähler Z2 angeschlossen. Zwei Mieter werden vollversorgt.
Modell B (Vollversorgung): Der Betreiber kauft den Reststrom und liefert allen Mietern den gesamten Strom.

So entsteht ein Messkonzept

  1. Bestandsaufnahme: Netzanschluss, vorhandene Zähler, Zählerplätze, PV-Anlage und Mieter erfassen.
  2. Modell wählen: Solarstrom-Anteil oder Vollversorgung, gemeinschaftliche Gebäudeversorgung oder Mieterstrom.
  3. Entwurf: Zähler und Messstellen im Schaltplan festlegen und Zuordnungen beschreiben.
  4. Abstimmung: Entwurf mit dem Netzbetreiber abstimmen und Rückmeldungen einarbeiten.
  5. Umsetzung: Zähler setzen, Wandler und Gateways einbauen lassen.
  6. Inbetriebnahme und Dokumentation: Zählerstände dokumentieren, Zuordnung in der Software hinterlegen, Messwerte prüfen.

Unterlagen für den Netzbetreiber

  • Lageplan und Übersichtsschaltplan mit Zählerstruktur
  • Anlagendaten: Leistung in kWp, Wechselrichter, Inbetriebnahmedatum
  • Vorhandene Zählernummern und Zählpunktbezeichnungen
  • Liste der Mieter und Verbrauchsstellen
  • Angabe des gewählten Modells und der beteiligten Rollen
  • Gegebenenfalls Vollmachten und Angaben zum Messstellenbetreiber

Welche Unterlagen genau gefordert werden, regelt jeder Netzbetreiber selbst. Fragen Sie vor dem Entwurf nach den Vorgaben.

Typische Fehler

  • Zähler sind falsch oder gar nicht zugeordnet
  • Rückfluss (Einspeisung) wird nicht gemessen
  • Wandler fehlen oder sind falsch ausgelegt
  • Mieterzähler sind nicht eichrechtskonform oder nicht fernauslesbar
  • Zählerwechsel ohne dokumentierten End- und Anfangsstand
  • Leerstand oder Mieterwechsel sind in der Zuordnung nicht abgebildet

Messwerte richtig nutzen

Es gibt zwei Arten von Werten: Live-Werte zeigen aktuelle Leistung, abrechnungsrelevante Werte stammen aus eichrechtskonformen Messungen und sind die Basis für Rechnungen. Beides darf nicht vermischt werden. Mehr dazu auf der Seite Messtechnik.

Bei der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung braucht jeder Teilnehmer in der Regel ein intelligentes Messsystem, das Viertelstundenwerte liefert. Ob und wo das erforderlich ist, hängt vom Modell ab. Details im Blogbeitrag Intelligentes Messsystem im Gebäude.

Zähler-Planer: grobe Zählerliste und Schaltbild für Ihr Objekt.

Kosten und Zeitbedarf

Kosten entstehen für Planung, Zähler, Wandler, Gateways, Einbau und den laufenden Messstellenbetrieb. Wie hoch sie sind, hängt von Zählerzahl, Zählerplätzen und Messsystem ab. Der Zeitbedarf wird oft von der Abstimmung mit dem Netzbetreiber bestimmt. Messtechnik und Sensoren bieten wir über WOODSUN zum Kauf oder zur Miete an, Preise nennen wir im Angebot.

Häufige Fragen

Brauche ich für jeden Mieter einen eigenen Zähler?

Für eine Abrechnung je Mieter ja. Der Zähler wird im Messkonzept als Verbrauchsstelle geführt.

Wer legt das Messkonzept fest?

Der Eigentümer oder Betreiber entwirft es, der Netzbetreiber stimmt es ab. Wir unterstützen bei Prüfung und Erstellung.

Was passiert bei einem Mieterwechsel?

Zählerstand zum Stichtag erfassen, den alten Vertrag abrechnen und den neuen Mieter der Verbrauchsstelle zuordnen.

Kann ich das Konzept später erweitern?

Ja, etwa um Speicher oder Ladeinfrastruktur. Das muss erneut mit dem Netzbetreiber abgestimmt werden.

Dieser Leitfaden ist eine allgemeine Orientierung und ersetzt weder die Vorgaben Ihres Netzbetreibers noch eine technische oder rechtliche Beratung.

Ihr Gebäude, Ihr Messkonzept – gemeinsam prüfen.

Wir klären mit Ihnen, ob und wie sich die Stromversorgung in Ihrem Objekt umsetzen lässt.

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